

„Will mir den Idealismus nicht nehmen lassen“Interview: Markus Wilhelm (47, SPD) ist seit 30 Tagen Ortsbürgermeister in Großniedesheim. Im Gespräch mit Waltraud Werdelis erzählt er, wie sich das anfühlt und was ihm wichtig ist.Herr Wilhelm, am 22. März haben die Großniedesheimer Sie zum ehrenamtlichen Bürgermeister gewählt, am 16. April wurden Sie vereidigt. Jetzt sind Sie exakt einen Monat im Amt. Wie geht es Ihnen?Es geht mir gut. Aber ich kann Ihnen versichern: So etwas wie eine Schonfrist gibt es nicht für Bürgermeister. Egal ob man einen Tag oder zehn Jahre im Amt ist – Dinge müssen erledigt werden. Die Eindrücke und Aufgaben der ersten 30 Tage waren sehr abwechslungsreich.
Können Sie Beispiele nennen?Neben den täglichen Kleinigkeiten wie Rechnungen bezahlen gab es schon etliche Abstimmungsgespräche mit der Verwaltung der Verbandsgemeinde. Es stehen ja der Ausbau der Rosenstraße und die Entwicklung des Wohnprojekts in der Kleinniedesheimer Straße an. Hinzu kommen Anliegen, die Bürger über Whatsapp, am Telefon oder auf der Straße, wenn ich mit unseren Hunden unterwegs bin, an mich herantragen. Wenn zum Beispiel eine Straßenlampe nicht brennt oder ein Mülleimer nicht geleert wurde. Die größte Herausforderung scheint mir aber zu sein, die Verpflichtungen des Amts mit dem Privatleben in Einklang zu bringen.
Können Sie das näher erläutern?Wenn ich den Gesprächsbedarf meiner Frau auf die To-do-Liste setzen muss und er dann auch noch auf Position sieben oder acht steht, ist das bedenklich und ihr gegenüber nicht gerecht.
Es ist ja gut, wenn Sie das nach einem Monat schon als Problem erkannt haben und es nicht einreißen lassen wollen.Ich kann mich ganz gut selbst reflektieren, das hilft. Ich werde auf jeden Fall daran arbeiten.
Spüren Sie eine Erwartungshaltung unter den Großniedesheimern? Ihr Vorgänger Michael Walther (SPD) hatte ja zuletzt aufgrund seines frühen Ruhestands mehr Zeit für dieses Ehrenamt und wirkt an der einen oder anderen Stelle noch mit.Nein, die Bürger haben nicht die Erwartung, dass ich Tag und Nacht zur Verfügung stehen muss. Und dass ich das nicht kann, habe ich vor der Wahl und bei meiner Amtseinführung auch gesagt. Was die Übergangsphase betrifft: Jeder neue Ortsbürgermeister muss ins Amt hineinfinden, und jeder Vorgänger muss wieder in die Rolle des Bürgers zurückfinden.
Wie klappt die Vereinbarkeit von Beruf und Bürgermeisteramt?Ich bin in einem Mannheimer Verlag angestellt. Ich kann relativ flexibel und auch mal im Homeoffice arbeiten. Aber ich bitte alle, besonders die VG-Verwaltung, um Verständnis, wenn ich E-Mails nicht immer sofort beantworte.
Was steht als Nächstes an in Großniedesheim, worauf freuen Sie sich?Ich war zu Antrittsbesuchen im Kindergarten und in der Grundschule, demnächst besuche ich das Seniorencafé. Und ich freue mich auf die Kerwe Ende Mai. Die vorzubereiten ist ein dicker Brocken. Genehmigungen einholen, Absperrungen veranlassen, sich mit Vereinen und Schaustellern abstimmen ... Zusammen mit dem Ortskartell und mit Thomas Scheuermann vom Turn- und Sportverein, mit dem wir erstmals wieder einen Kerweborsch haben werden, möchte ich die Kerwe Stück für Stück wachsen lassen. Es wird erneut einen Umzug in einer schönen Größe geben, und dann wird das Dorf sicher noch mehr mit Fahnen und Ballons geschmückt sein als im vergangenen Jahr. Viele Jahre hat man ja im Ort kaum erkennen können, dass Kerwe war.
Sie sind mitten in der Wahlperiode Bürgermeister geworden, Ihre erste Amtszeit geht also nicht über fünf Jahre, sondern nur bis 2029. Wie wollen Sie bis dahin persönliche Akzente setzen?Mein großes Thema ist die Kommunikation. Politik muss viel mehr erklären. Die Linde, die kürzlich in Heßheim zurückgeschnitten wurde und die Bürger erzürnt hat, ist das beste Beispiel dafür, dass wir im Amtsblatt, bei Ortsbegehungen oder Versammlungen versuchen sollten, die Bürger mehr zu informieren und uns selbst Anregungen zu holen. Ich würde gern ein-, zweimal im Jahr zum Spaziergang einladen und mit Bürgern über neuralgische Punkte im Ort sprechen.
Gibt es ein Langzeitthema, das Ihnen auf den Nägeln brennt?Ja, die Verkehrsberuhigung. Unser Messgerät in Höhe des Feuerwehrhauses hat im April ein Fahrzeug erfasst, das mit 136 statt 50 Stundenkilometern gefahren ist. Und dabei handelt es sich noch um den vergleichsweise nicht so problematischen Ortseingang. Wir sollten uns weder damit abfinden, dass die Dorfeinfahrten Rennstrecken sind, noch dass uns die Einführung von Tempo 30 in den Ortsdurchfahrten nicht erlaubt wird. Ich möchte den übergeordneten Stellen weiter damit auf die Nerven gehen und mir diesbezüglich nicht meinen Idealismus nehmen lassen.ww |
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Quelle
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21.05.2026, 19:00 Uhr - 21:00 Uhr Sitzung des Ortsgemeinderates der Ortsgemeinde Großniedesheim
Einladung folgt. Details können im RIS eingesehen werden.
29.05.2026, 00:00 Uhr - 01.06.2026, 22:00 Uhr Kerwe
25.06.2026, 18:00 Uhr - 21:00 Uhr Blutspendetermin Rotes Kreuz
Weitere Termine:
03.09.2026
12.11.2026
03.09.2026, 18:00 Uhr - 21:00 Uhr Blutspendetermin Rotes Kreuz
Weiterer Termin:
12.11.2026
10.10.2026, 09:00 Uhr - 11.10.2026, 18:00 Uhr Niddsem wandert
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